SWS Studie

2.1 Für ein Leben, das gut für alle sein kann

Um Menschen und Gesellschaften zu tiefgreifenden Veränderungen zu bewegen, bedarf es v. a. auch einer positiven Zielperspektive, die eine motivierende und orientierende Kraft entfalten kann. Die eingangs skizzierten Beispiele veranschaulichen exemplarisch, „wovon weg“ die sozial-ökologische Transformation führen muss, um die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu verhindern. Sie verdeutlichen aber auch, wie wichtig es ist, attraktive Vorstellungen eines „Wohin“ der Transformation mit gangbaren Wegen aufzuzeigen, um dieses Ziel konkret zu erreichen.


Auch in Laudato si’ sind der „Schrei von Mutter Erde“ und der „Schrei der Armen“ einerseits der Ruf „weg von“, nämlich die Aufforderung, sich von Strukturen und Handlungsweisen abzuwenden, die der Natur und den Menschen schaden. Zugleich sind sie ein Ruf zu einem „Wohin“, nämlich zu einem Leben, das weniger auf Status, Verbrauch und Konsum ausgerichtet ist, aber trotzdem – oder auch gerade dadurch – mit einem Zuwachs an Zufriedenheit, Beziehung, Freude, Sinn und Erfüllung verbunden sein kann. Der in Laudato si’ sozial-ökologisch reformulierte Ruf zur Umkehr ist eben beides: Ein Ruf zur dringend notwendigen Abkehr und ein Ruf hin zu einem anderen Leben, das gut für alle sein kann.


Eine solche Zielperspektive genauer zu beschreiben ist keineswegs trivial. Sie muss für alle Menschen trotz ihrer unterschiedlichen Präferenzen, Wertorientierungen und Konzeptionen eines guten Lebens zumindest prinzipiell zustimmungsfähig sein. Da dabei die Lebensgrundlagen aller jetzigen und zukünftigen Menschen auf dem Spiel stehen, sind alle Partikularinteressen, so nachvollziehbar sie auch sein mögen, im Konfliktfall dem Gemeinwohl (wie in 2.2 ausgeführt) unterzuordnen. Zugleich muss die Zielperspektive substanziell und anschaulich genug sein, um Motivation und Orientierung für konkrete Veränderung zu bieten, ohne dabei zwei Einwände zu übersehen: Man darf weder paternalistisch-bevormundend bestimmte Lebensweisen vorschreiben, noch einzelne kulturell geprägte Zielvorstellungen bevorzugen und damit kulturelle Differenzen missachten.

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