SWS Studie

4.3 Akzeptanz durch Transparenz und Teilhabe schaffen

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Verschwörungsmythen und die populistische Verleugnung des sozial-ökologischen Transformationsbedarfs können vor allem dann gedeihen, wenn das Vertrauen in Transparenz und Teilhabe (zwei Grundversprechen des demokratischen Staates) bei immer mehr Bürgern erschüttert wird (vgl. Kap. 3.3). Teilhabe erfordert dabei nicht nur das demokratische Wahlrecht, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Teilhabe am sozialen Leben sowie am wirtschaftlichen Erfolg einer Nation. Die Antwort auf diesen Vertrauensverlust sollte aus drei Schritten bestehen: erstens, diese Erschütterung anzuerkennen, zweitens Informations-, Mitsprache- und Teilhabemöglichkeiten zu verbessern sowie drittens populistische Instrumentalisierung, die diesen Vertrauensverlust zum eigenen Vorteil weiter verstärken und kein Interesse an konstruktiven Lösungen haben, zu entlarven. Ein stabiler Rechts- und ein leistungsfähiger Sozialstaat bedingen sich so gegenseitig.


Um dem Populismus zu widerstehen, darf man also die Emotionen, mit denen er arbeitet, in der Gestaltung und Kommunikation der Transformation nicht ausblenden und als irrational oder irrelevant abwerten. In diesem Sinne müssen Angst, Sorge, Zorn und Kränkungsgefühle ernst genommen werden; nur so besteht die Chance, sie durch konstruktive Mitgestaltung ins Positive zu wenden.63 Das bedeutet auch, diese Emotionen durch apokalyptische Untergangsszenarien nicht noch zu befeuern. Zugleich muss diese Kommunikation auch die positiven Zielperspektiven veranschaulichen und dabei emotional ansprechend gestalten. Neben Zahlen, Daten und Fakten bedarf es auch einer motivierenden, ermutigenden und sinngebenden „Vision“, was durch die Transformation für alle erreicht werden kann und soll (vgl. Kap. 2).

 

„Neben mehr Entscheidungsbefugnissen und entsprechender finanzieller Ausstattung für lokale Gremien und Verwaltungseinheiten bedarf es auch hier klarer Transparenzvorgaben und der Kommunikation einer gemeinsamen Zielperspektive."

Auch hier zeigt sich, wie wichtig es ist, konkrete Transformationsvorhaben möglichst partizipativ zu gestalten. Die gemeinsame Beantwortung der Frage (etwa auf lokaler Ebene), wie wir künftig so zusammenleben wollen, dass alle Menschen gut leben können, nimmt die Anliegen und Sorgen der Menschen ernst. Der Diskurs reicht dafür allein jedoch nicht aus, sondern es gilt auch gemeinsam zu handeln. Zivilgesellschaftliche Diskurslandschaften bedürfen daher zwingend komplementärer Tatlandschaften. Debatte ebenso wie gemeinsames Handeln profitieren von subsidiären Strukturen.64 Subsidiarität bedeutet die Ermächtigung der unteren Ebene. Im Fall der Corona-Pandemie ebenso wie im Angesicht der Klimakrise bedeutet das, dass die Verantwortlichen vor Ort angemessen und zielführend handeln können. Aber nicht, dass die unteren Ebenen mit dieser Verantwortung alleingelassen bzw. nicht mehr entsprechend kontrolliert werden. Neben mehr Entscheidungsbefugnissen und entsprechender finanzieller Ausstattung für lokale Gremien und Verwaltungseinheiten bedarf es auch hier klarer Transparenzvorgaben und der Kommunikation einer gemeinsamen Zielperspektive. Hierbei können, auch das hat die Coronakrise gezeigt, international vergleichbare Standards und Indizes hilfreich sein, etwa durch neue Indikatoren für nachhaltige Entwicklung, die das BIP als Wohlstandsmaß zukunftsgerichtet ergänzen.


Für alle geschilderten Aufgaben ist es wichtig, Menschen durch angemessene Bildungs- und weitgehende Informationsangebote zu ermutigen, der populistischen Versuchung zu widerstehen und stattdessen den Wandel selbst mitzugestalten. Eine „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, die Lust auf Veränderung weckt und Erfolgserlebnisse vermittelt, ist nicht nur ein probates Mittel gegen Populismus, sondern verstärkt auch die Fähigkeit und Bereitschaft künftiger Generationen von Politiker/innen, multilateral, regelbasiert und im engen partnerschaftlichen Austausch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzuarbeiten.

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